Der Mann der 5000 Partien

Manchmal ist Wolfgang Siegert schon am Verzweifeln. “Viele Spieler bringen nicht die Konzentration auf, um ihre Züge richtig zu notieren”, ärgert sich der Kulmbacher. Doch geduldig und mit großer Routine erfasst er Partie um Partie, Zug um Zug. Und das seit 20 Jahren.

Das Archiv liefert den Beleg: Seit 1999 stehen 5450 Partien aus Schney online. Die allermeisten davon hat Wolfgang Siegert ins Netz gestellt. Am zweiten Schachtag 2020 um 15.30 Uhr ist die Vormittagsrunde eingegeben, dann geht es nahtlos an die Nachmittagspartien. Unterbrochen nur von einer kurzen Zigarettenpause. Vier Stunden für 40 Partien, das ist das Pensum, das sich Siegert vornimmt. “Sonst wird man nicht fertig.” Natürlich freue er sich über eine schöne Kombination – für das Brüten über bessere Züge fehlt jedoch die Zeit. Entziffert hat er bislang noch fast alles, zum Teil auch rekonstruiert. “Heute gab es nur eine Partie, die ich unvollständig lassen musste. Da hab ich nur wenige Züge und das Ergebnis eingegeben.”

Was der Schulschach-Beauftragte, Schriftführer und Träger der goldenen BVO-Ehrennadel auch bemerkt: “Das lange Arbeiten am PC fordert immer mehr Kraft. Ich werde schneller müde als früher.” Deshalb hat er schon länger angekündigt, sich nach vielen Jahren und unzähligen Stunden Engagement in Schney zurückzuziehen. Im Jubiläumsjahr 2021 will er ein letztes Mal am PC sitzen – danach möchte er nur noch ganz normaler Teilnehmer sein.

Für die Zeit ab 2022 hofft er, dass ein Nachfolger mit flinken Fingern bereitsteht. Denn dass die Partien stark genutzt werden, sieht man an den Download-Zahlen. Vor allem Jugendtrainer nehmen sie gerne zur Analyse und zur Vorbereitung. Und auch Wolfgang Siegert findet meist etwas Zeit, sich die spannendsten Partien anzusehen. Nach Schney.